Schwanger mit Stoma- mögliche Komplikationen und Operationen

Komplikationen und vor allem Operationen in der Schwangerschaft-
das möchte niemand.
Man möchte entspannt durch die Schwangerschaft kommen, die Zeit genießen und sich auf den Nachwuchs freuen. An Kursen wie Schwangerschafts-Yoga oder -Wassergymnastik teilnehmen. In Ruhe das Kinderzimmer einrichten. Anziehsachen für das Baby shoppen gehen.
Doch gelegentlich läuft es anders und es treten Komplikationen auf. Manchmal sind es eher harmlose, die gut zu behandeln sind und manchmal sind es heftige, die Mama oder Baby stark gefährden können.

Bei mir war es letzteres. Ich war insgesamt über vier Wochen im Krankenhaus. Ich bekam ein MRT, musste zweimal gespiegelt werden und bekam dabei eine Sedierung mit Propofol. Selbst das möchte man ja schon vermeiden, um das Baby nicht zu gefährden. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir schon sehr schlecht. Mein Stoma förderte nicht mehr, ich hatte sehr starke Schmerzen und erbrach viel Stuhl. Ich bekam eine Magensonde, wurde künstlich ernährt und lag einige Tage auf der Intensivstation. Mir wurde ein Katheter ins Stoma gelegt, womit sich mein Zustand vorerst verbesserte. Es wurde ein Schub und eine Stenose vermutet, weshalb ich zusätzlich eine Cortison Stoßtherapie bekam. In den vier Wochen Krankenhausaufenthalt wurde ich zweimal entlassen und beide Male musste mich mein Partner am nächsten Tag wieder in die Notaufnahme bringen, weil nun wieder alles von vorne anfing.
Diese Reise war ein Horror-Trip, ganz anders als alles Andere zuvor. Um mich selbst machte ich mir überhaupt keine Gedanken, vielmehr drehte sich in meinem Kopf alles um unser Baby. Es stand oft im Raum, dass es bei einer möglichen Not Operation geholt werden müsste und zu diesem Zeitpunkt waren die Überlebenschancen noch sehr gering. Das wollte ich auf keinen Fall riskieren und versuchte mich schließlich durch diese Zeit zu kämpfen, so gut es eben ging. Mein Zustand verschlimmerte sich zusehends. Die Schmerztherapie war lange nicht mehr ausreichend. Es ging mir so schlecht, dass ich absolut handlungsunfähig war. Ich war noch nicht einmal mehr in der Lage meinen Partner über meinen aktuellen Zustand zu informieren. Diese Auskünfte musste er sich bei dem Pflegepersonal und den Ärzten holen.
Jedes Mal hoffen und bangen. Er hatte vor jedem Telefonat große Ängste, dass ich im Koma liege oder wir nicht nur unser Baby verlieren, sondern er mich ebenfalls, dass wir beide sterben. Ich kann nicht einmal in Worte fassen, wie schlimm diese Zeit für ihn war und das über Tage und Wochen hinweg.

Beim letzten Aufenthalt kam ein Professor, der die richtige Diagnose stellte und endlich eine Lösung für das Problem hatte:
Der wachsende Uterus drückte auf Stoma und Dünndarm, eine Operation sei unumgänglich.
Eine Operation in der Schwangerschaft unter Vollnarkose? Das muss dem Kind doch schaden. Das möchte man auf jeden Fall vermeiden!

Natürlich möchte man das vermeiden, aber manchmal hat man keine andere Wahl. Ich war an einem Punkt angekommen, an dem es mir sehr, sehr schlecht ging. Der Professor machte uns klar, wie wichtig diese Operation ist und dass es weder für mich noch für das Kind gut ausgehen würde, wenn ich weiter mache wie bisher.
So schwer mir der Gedanke auch fiel, war mir trotzdem ziemlich schnell bewusst, dass es keine andere Option gab und wir diesem Arzt absolut vertrauen mussten.
Nach dem Gespräch mit einem Anästhesisten war ich etwas beruhigter. Das Baby würde durch die Vollnarkose ebenfalls schlafen, aber vielmehr würde nicht passieren. Natürlich kann es Komplikationen geben, aber das Risiko wäre nicht höher, als für mich selbst.
Am nächsten Tag fand die Operation statt. Dabei stellte sich heraus, wie dringend und knapp es tatsächlich war, vor allem aber wieviel Glück ich hatte. Sieben Zentimeter vom Dünndarm waren schon am absterben und der Chefarzt sagte, dass ich spätestens am nächsten Tag einen Darmdurchbruch gehabt hätte und das Ganze sehr wahrscheinlich nicht überlebt hätte.
Mein Stoma wurde ein ganzes Stück nach oben verlegt, damit das Baby nun genug Platz hat und ich dabei nicht gefährdet werde. Die ganze Zeit über wurde ich sehr intensiv von Hebammen und Gynäkologen überwacht und betreut. Dem Baby ging es die ganze Zeit über sehr gut, es entwickelt sich prächtig und ist gesund.

Eine Operation in der Schwangerschaft birgt Risiken in sich, natürlich. Diese müssen aber nicht immer eintreten. Es kann genauso den Umständen entsprechend gut verlaufen. Manchmal muss man abwägen, was mehr Schaden anrichtet. Hätte ich mich gegen diese Operation entschieden, würde ich nicht mehr hier sitzen und diesen Beitrag verfassen können.
Ich bin extrem dankbar, dass die Medizin heute so weit ist, solche Operationen mit überschaubaren Risiken durchführen zu können und ich in einem Land lebe, dass mir all das möglich macht. Ich bin dankbar, dass mein Leben und das meines ungeborenen Kindes gerettet werden konnte und ich den Rest der Schwangerschaft nun hoffentlich genießen kann.

Abschließend möchte ich noch erwähnen und das ist wirklich ganz wichtig:
Was mir passiert ist, kommt sehr, sehr selten vor. Die meisten Schwangerschaften mit Stoma verlaufen reibungslos oder mit so kleinen und winzigen Komplikationen, dass man darüber hinwegsehen kann. Was mir passiert ist, war sehr heftig und ich scheine diese Seltenheiten irgendwie magisch anzuziehen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es jeder zweiten Schwangeren mit Stoma passiert, davon sind wir wirklich ganz weit entfernt. Wenn ich hier von selten spreche, dann meine ich eher, dass es einer von tausend schwangeren Frauen mit Stoma passiert und ich bin eine davon. Ich möchte hier auch niemanden abschrecken, das ist absolut nicht meine Absicht. Ich selbst bereue es ja auch keineswegs schwanger geworden zu sein. Wenn ich mit diesem Beitrag nur eine Person erreiche, die ähnliches durchmachen muss und ihr dabei vielleicht eine kleine Stütze sein kann oder ihr Problem dadurch schneller erkannt wird, hab ich alles richtig gemacht.

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