Camping

6 Nächte Zelten mit Stoma – und warum es viel unkomplizierter war als gedacht

Ich habe ein Ileostoma, mit High-Output und zusätzlich Pyoderma (tiefe Wunden) rund um mein Stoma. Trotzdem war dieser Campingurlaub für mich erstaunlich entspannt. Eigentlich zeigt er ziemlich gut, dass vieles mit Stoma deutlich einfacher möglich ist, als man vorher vielleicht denkt.
Wir waren sechs Nächte mit einem großen Zelt an der Nordsee…

Vorbereitung ist natürlich wichtig

Ganz ohne Vorbereitung würde ich so einen Urlaub nicht starten. Gerade beim Stoma ist es einfach sinnvoll, vorher zu überlegen, was man braucht und was unterwegs passieren könnte.
Wie viel Stomamaterial man mitnimmt, ist allerdings sehr individuell.

Ich habe ungefähr die doppelte Menge von dem eingepackt, was ich normalerweise brauche. Das liegt bei mir aber nicht daran, dass man mit einem Ileostoma beim Camping grundsätzlich doppelt so viel Material benötigt. Bei mir kommen die Pyoderma und mein High-Output-Stoma dazu. Durch die Wunde kann die Versorgung schon mal schneller unterlaufen und bei sehr hohem Output kann es ebenfalls vorkommen, dass ich häufiger wechseln muss.
Wenn das bei jemandem nicht der Fall ist und die Versorgung zuverlässig hält, sieht die benötigte Menge natürlich ganz anders aus.

Ich hatte eine kleinere Notfalltasche für unterwegs und eine größere Tasche mit dem restlichen Material dabei. Darin war neben meiner normalen Stomaversorgung auch alles, was ich für meine Wunde brauche: Hydrokolloidpflaster, Pflasterentferner, NaCl, Kompressen und Hydrokolloidpuder, falls die Haut durch Unterlaufen mal stärker gereizt ist.
Außerdem hatte ich jede Menge Hundekotbeutel dabei. Ja, richtig gelesen. 😄 Dazu später mehr.
Meine Versorgung habe ich vor der Abfahrt noch einmal frisch gewechselt und genauso auch vor der Heimfahrt.

Hitze und High Output

Der Hochsommer war für mich tatsächlich der Punkt, auf den ich am meisten achten musste.
Bei Temperaturen über 25 Grad reagiert mein Stoma ziemlich deutlich. Ich bekomme dann schnell sehr flüssigen Output und verliere entsprechend viel Flüssigkeit und Elektrolyte.
Deshalb habe ich bei Hitze immer Elotrans dabei. Normale Sport-Elektrolytgetränke kommen für mich dauerhaft nicht infrage, weil die Zusammensetzung und die enthaltenen Mengen für meinen Bedarf nicht ausreichen. Elotrans ist für Rehydrierung ausgelegt und liefert alle wichtigen Nährstoffe, die mein Körper dringend benötigt.
Zwischendurch trinke ich auch Wasser oder Tee. Was bei mir dagegen eher nach hinten losgeht, sind sehr zuckerhaltige Getränke wie Cola. Die können den Durchfall und damit den Output noch zusätzlich ankurbeln.
Bei richtig heißem Wetter komme ich deshalb schon mal auf ungefähr drei Liter Flüssigkeit am Tag. Das ist aber meine persönliche Situation und keine allgemeingültige Empfehlung.

In unserem Campingurlaub hatten wir tagsüber teilweise 35 Grad, nachts ging es dagegen bis auf etwa 11 Grad runter. Mit meiner Versorgung hatte ich trotz der Hitze überhaupt keine Probleme.

Die Sache mit dem Entleeren des Beutels

Viele Fragen sich bestimmt, wie man den Beutel entleeren kann, wenn es schnell gehen muss. Und mit Stoma ist das wirklich so easy mit: Hundekotbeutel.
Den Stomabeutel darin entleeren, zuknoten und ab in den Müll. Die Dinger halten deutlich mehr aus, als man vielleicht denkt. 😄
Funktioniert übrigens auch im Auto, im Wald oder wo auch immer ihr es benötigt und keine Toilette in der Nähe ist. Früher haben mich diese Themen so sehr gestresst, heute tun sie es gar nicht mehr.
Und damit war das Thema Toilette für mich tatsächlich erledigt.
Auch nachts.
Wenn der Beutel voll war, habe ich meine Stirnlampe aufgesetzt, bin kurz aus dem Zelt gegangen, habe den Beutel im Hundekotbeutel entleert, alles zugemacht und entsorgt – und wieder ab ins Zelt.
Ich habe meinen Schlafplatz außerdem so gewählt, dass ich das Zelt im Notfall schnell verlassen kann.

Die Stomaversorgung einfach draußen wechseln

Auch beim Versorgungswechsel habe ich keinen großen Aufwand betrieben.
Ich habe meine Versorgung und die Wundversorgung einfach draußen auf dem Campingstuhl gemacht. Material raus, alte Versorgung ab, Wunde versorgen, neue Versorgung drauf – fertig.

Natürlich hätte ich das genauso gut im Zelt machen können. Und auf einem Campingplatz mit Sanitäranlagen wäre die Toilette ebenfalls eine Möglichkeit.

Meine Stomaversorgung hat übrigens trotz der Temperaturen von bis zu 35 Grad problemlos gehalten. Ich musste im Urlaub nicht häufiger wechseln als zu Hause.
Meine Pyoderma war durch die Hitze zwischenzeitlich etwas gereizter und die Haut war empfindlicher, aber insgesamt war das gut auszuhalten.

Und dann ging es ins Wasser

Schwimmen war für mich überhaupt kein Thema.
Ich war im Freibad, im Wellenbad und in der Nordsee – mit meiner ganz normalen Stomaversorgung und mit ganz normalem Badeanzug bzw. Bikini.
Die Versorgung hat dabei wirklich Bombe gehalten.
Gewechselt habe ich die Versorgung erst am nächsten Tag.

Und natürlich schauen die Leute. Manche gucken vielleicht zweimal oder dreimal, manche reden auch über mich. Selbstverständlich merke ich das.

Aber irgendwann habe ich für mich akzeptiert, dass ich einfach darüber hinwegsehe. Ich lasse die Menschen gucken und drüber reden. Aber folgendes ist ganz wichtig:

Ich muss niemanden um Erlaubnis bitten, schwimmen gehen zu dürfen, nur weil ich ein Stoma habe. Ja, es gibt Schwimmbäder, die sich noch immer dagegen stellen, grundlos. Aus hygienischer Sicht spricht nichts dagegen. Das ist Ableismus aus Unwissenheit.
Niemand hat das Recht, einem Stomaträger das Schwimmen zu verbieten.

Essen war überhaupt kein Thema

Auch beim Essen war ich nicht eingeschränkt.
Ich kann ganz normal essen und musste beim Camping deshalb auch keine besonderen Regeln beachten.
Das ist für mich sowieso ein ziemlich großer Unterschied zu früher. Bevor ich mein Stoma bekommen habe, war mein Alltag durch meine CED teilweise ganz anders bestimmt.
Damals musste ich ständig überlegen: 

Kann ich das jetzt essen? Wie stark sind die schmerzen anschließend? Wo ist die nächste Toilette?

Heute ist das in vielen Situationen tatsächlich einfacher.

Und wie war das Zelten nun wirklich?

Eigentlich gibt es dazu gar nicht so viel Spektakuläres zu erzählen. Und genau das ist wahrscheinlich das Schönste daran.

Es hat einfach funktioniert.

Ich war vorher schon ein paar Mal im Wohnwagen campen und habe dort mehrere Tage übernachtet. Das Zelten war jetzt noch einmal eine andere Nummer – aber auch das war völlig entspannt.
Mein Stoma hat mich beim Camping nicht eingeschränkt.

Ich konnte duschen, schwimmen, ins Wellenbad, in die Nordsee, ganz normal essen und den Tag verbringen. Ich musste mich nicht ständig darum kümmern, wo die nächste Toilette ist.

Natürlich muss man sich vorbereiten. Ich würde nicht einfach völlig planlos losfahren.
Aber wenn man seine eigene Versorgung kennt, weiß, was man persönlich braucht, für seine individuellen Besonderheiten vorsorgt und ein paar einfache Lösungen für unterwegs hat, dann kann das erstaunlich unkompliziert sein.

Mein Fazit

Ich glaube, viele Menschen mit Stoma machen sich vor solchen Dingen viel mehr Gedanken, als eigentlich nötig wäre.

Camping mit Stoma ist nicht so kompliziert, wie man vielleicht denkt.

Man muss ein bisschen planen. Man sollte ausreichend Material dabei haben und natürlich seine persönliche Situation berücksichtigen.
Aber danach kann man einfach loslegen.
Für mich gab es jedenfalls keinen Grund, warum ich nicht zelten sollte.
Und wenn ich eines aus diesem Urlaub mitnehme, dann genau das:

Mein Stoma hält mich nicht davon ab, Dinge zu erleben. Ich muss vielleicht ein bisschen anders planen – aber ich kann sie trotzdem machen.

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